Wochenspiegel 13.08.2008
Handy und Tasche immer bereit
Der Hebammen-Beruf ist sehr
begehrt, aber schwer
n Mellensee (hm). Katja Britz, seit 5 Jahren freiberufliche Hebamme in Mellensee, schaltet ihr Handy nie aus. „Ich muss 24 Stunden pro Tag und das sieben Tage in der Woche erreichbar sein“, berichtet sie. Auch Elisabeth Schulze aus Sperenberg, die in diesem Jahr ihr Abitur geschafft hat, weiß um dieses Problem. Trotzdem will auch sie Hebamme werden und absolviert derzeit ein Praktikum bei Katja Britz.
Zum Leistungsspektrum einer Hebamme gehören vor allem Hilfe bei Beschwerden in der Schwangerschaft, Geburtsvorbereitung, Schwangerengymnastik, die Begleitung zur Geburt, Wochenbettbetreuung, Still- und Ernährungsberatung und Rückbildungsgymnastik.
Die Ausbildung zur Hebamme, bei Männern heißt es Entbindungspfleger, dauert drei Jahre und wird an einer der rund 60 Hebammenschulen in Deutschland durchgeführt. Voraussetzung ist mindestens der Realschulabschluss. „Der Ansturm auf die Schulen ist enorm“, weiß Katja Britz. „Auf 10 bis 15 Ausbildungsplätze kommen über 1000 Bewerbungen“, ergänzt sie. Deshalb empfiehlt sie allen Interessierten, wie Elisabeth es macht, verschiedene Praktika zu absolvieren, zum Beispiel bei einer Hebamme.
Zur „Grundausbildung“ gehören Themen wie der Gesundheitsbereich (z.B. Bau des Körpers, Ablauf der Geburt), Geburtshilfe, allgemeine medizinische Ausbildung, Beratung nach der Geburt, Ernährung des Kleinkindes, Entwicklung des Körpers, Sozialkunde und Rechtsfragen wie Personenstandsgesetz, Schweigepflicht und Dokumentationen. Aber auch medizinisches Rechnen ist gefragt. „Stellen Sie mit diesem Desinfektionsmittel eine dreiprozentige Desinfektionslösung her“, heißt zum Beispiel eine Aufgabe.
Doch damit ist es noch nicht getan. Es folgen Praxiseinsätze in einem Krankenhaus, das immer einer Hebammenschule zugeteilt ist. Die Stationen hier sind z.B. Kreißsaal, Kinder-, Intensiv-, Wochenbett und gynäkologische Station. Aber auch ein OP-Einsatz, möglichst beim Kaiserschnitt, gehört dazu.
Und schließlich müssen die angehenden Hebammen lernen, wie der Arbeitsablauf später einmal sein wird, dazu Hygiene-Verhalten sowie die Begleitung der Frauen in dieser besonderen Lebenssituation von der Schwangerschaft über die Geburt bis hin zur Betreuung nach der Geburt. „Dabei stehen sowohl das Kind als auch die Frau im Mittelpunkt“, betont Katja Britz.
Sind die Schlussprüfungen, eine schriftliche, eine mündliche sowie eine praktische, dann bestanden, stellt das Gesundheitsamt eine Berufserlaubnis aus. Erst dann kann die Hebamme - oder der Entbindungshelfer – den Beruf ausüben. Das kann als Angestellte in einem Krankenhaus oder Geburtshaus sein oder freiberuflich geschehen.
Katja Britz arbeitet freiberuflich sowie als so genante „Beleg-Hebamme“. Das bedeutet, dass sie im Krankenhaus Ludwigsfelde Betten für die von ihr betreuten Frauen belegt, die keine Hausgeburten durchführen wollen oder können. „Ich betreue sie im Krankenhaus, aber auch die Ärzte und Krankenschwestern sind für sie da“, berichtet sie. Die Betreuung zu Hause ist dann wieder alleinige Sache der Hebamme.